Alphacool Eisbaer 360 vs. Eisbaer 240 Review

Vor gut einem Monat präsentierte Alphacool mit den Eisbaer All-in-One-Wasserkühlungen (AiO) die ersten Produkte unter der eigenen Marke. Bereits in der Vergangenheit bewies Alphacool als OEM seine Expertise für andere Hersteller. Besonders zwei Punkte werden als Alleinstellungsmerkmale gegenüber der Konkurrenz die auf Produkte von Asetek und CoolIT angeführt. Zum einen soll die Pumpe hörbar leiser arbeiten und zum anderen ist die AiO erweiterbar, Dank einer integrierten Schnellkupplung. In den bisherigen Reviews wurde lediglich die Eisbaer 240 getestet, weswegen in diesem Review die Eisbaer 360, mit einem namensgebenden 360-mm-Radiator, im Mittelpunkt steht.

Ich bedanke mich bei Alphacool für die Bereitstellung der Alphacool Eisbaer360 sowie bei Hardwareluxx für die Alphacool Eisbaer240.

Lieferumfang

Neben der vorbefüllten Wasserkühlung befindet sich im Lieferumfang das notwendige Zubehör, um die Eisbaer 360 im Gehäuse zu montieren, die Lüfter auf dem Radiator fest zu schrauben, die Kühler-Pumpeneinheit auf den Prozessor zu schnallen und Wärmeleitpaste. Die beiliegende Anleitung ist gut bebildert und beinhaltet Montagehinweise wie der Radiator samt Lüfter im Gehäuse einzubauen sind. Lüfteradapter für das Anschließen am Netzteil gehören nicht zum Lieferumfang.

Im Detail

Typisch für eine Komplettwasserkühlung beherbergt das Gehäuse des CPU-Kühlers ebenso die Pumpeneinheit mit integriertem Ausgleichsbehälter. Letztere basiert auf der hauseigenen Alphacool DC-LT Ultra low noise 2600 mit einer Nenndrehzahl von 2.600 U/min. Im Test lief diese bei 12 V mit etwa 2.725 U/min. Die weiteren Eckdaten: Durchlaufrate 70 L/h, Leistungsaufnahme von 4 W und eine maximale Förderhöhe von 0,85m. Das Herunterregeln der Pumpe auf 7 V ist seitens Alphacool problemlos möglich.

Das komplette Gehäuse der Kühler-Pumpen-Einheit ist mit einer schwarzen, gummiartigen Softtouch-Oberfläche überzogen. Auf der oberen Seite befinden sich die beiden Anschlüsse mit G -¼-Zoll-Gewinde, ein Fill-Port, ein 3-Pin-Stromanschluss von der Pumpe sowie ein blau beleuchtetes Herstellerlogo. Im eingebauten Zustand gewährt zudem ein in Richtung Gehäusedeckel platziertes und weiß beleuchtetes Fenster Einblicke auf die Pumpe im Betrieb. Zusätzlich ist so ersichtlich, ob ggf. Flüssigkeit nachgefüllt werden muss. Dies sollte in der Regel nur notwendig sein, wenn die Eisbaer erweitert wird und dadurch etwas Flüssigkeit an der Schnellkupplung beim Öffnen austritt. Das Gehäuse wirkt insgesamt solide, im Vergleich zu AiO-Lösungen der Asetek-basierenden Konkurrenz (bspw. Corsair) deutlich größer. Auf der Unterseite befindet sich die polierte Kupferplatte, die Kontaktfläche zum Prozessor hin.

Von der Kühlereinheit transportiert die Pumpe das Wasser durch 11/8 mm Schläuche, die im stimmigen Schwarz gehalten sind, zum Radiator. Leider fallen die Schläuche besonders bei der Eisbaer 360 mit 32 cm etwas kurz aus. Dadurch kann die Eisbaer für große Full-Tower-Gehäusen zumindest nicht in der Front eingebaut werden. Auch die komfortable Schnellkupplung kann den Einbau der Eisbaer 360 erschweren. Um ein Knicken der Schläuche vorzubeugen sind jene mit schwarzen Knickschutzfedern überzogen worden.

Beim Radiator setzt Alphacool bei allen Varianten der Eisbaer auf die eigene NexXxoS-Serie, im Fall der Eisbaer 360 ist es der NexXxoS ST30. Ein Wärmetauscher der drei 120-mm-Lüfter aufnimmt und eine geringe Tiefe von 30 mm hat. Die Länge und Breite beträgt 400 mm bzw. 124 mm. Hervorzuheben ist hier, besonders im Hinblick auf die Mitbewerber, dass diese aus Vollkupfer hergestellt wurden. Der komplette Radiator ist matt schwarz lackiert. Die Lamellen selbst nur oberflächlich, um die Leistung nicht durch eine zu dicke Lackschicht negativ zu beeinflussen. Bei schräger Betrachtung schimmern jene entsprechend kupferfarben. Es ist demnach kein Qualitätsmangel, sondern eine bewusste Entscheidung des Herstellers.

Insgesamt kann die Verarbeitungsqualität überzeugen und als gut eingestuft werden. Keine scharfen Kanten, unsaubere Flächen bzw. Ecken. Alles sitzt fest, nichts knarzt. Die Eisbaer 360 ist eine solide Kühllösung.

Für eine aktive Kühlung sorgen zwei 120-mm-Lüfter. Die Eiswind12 sind herkömmliche, schwarze Axiallüfter ohne Besonderheiten. Alphacool gibt das Drehzahlspektrum per PWM-Regelung von 550 U/min bis 1.700 U/min an. Im Test konnten als minimale Drehzahl etwas über 600 U/min erreicht werden. Unterhalb von 800 U/min erzeugen sie brummige Nebengeräusche, fallen damit negativ auf und übertönen die Pumpe. Für große Silent-Ambitionen sind jene nicht geeignet.

Mit den Referenzlüftern bestückt war die Pumpe auf 12 Volt erst unter 750-800 U/min zumindest abseits der Lüftergeräusche zu hören. Bei einer reduzierten Betriebsspannung auf 7 Volt ist die Pumpe nahezu lautlos und auch bei 500 U/min der Lüfter nicht hörbar. Wie dies die Kühlleistung beeinflusst, wird nachfolgend noch detailliert geklärt.

Montage

Montiert wird die Eisbaer mittels Schrauben und einer Backplate. Dies ist aktuell auch bei High-End-Kühler üblich. Auf einem INTEL-System wird an der Kühlereinheit die Halterung mittels Clips arretiert und mit der Backplate verschraubt. Die Muttern sind nicht fest mit der Rückplatte verbunden, weswegen die Montage in Fummelarbeit ausartet. Mit einer Hand hält man die Backplate samt Mutter, mit der anderen Hand die Kühlereinheit und dreht die Schraube mit einem Schraubendreher fest. Dies funktioniert bei AMD-System etwas komfortabler, da die bereits am Mainboard vormontierte Rückplatte genutzt wird.
Der Radiator kann je nach Gehäuse in dessen Deckel oder Front montiert werden. Bei dem verwendeten Gehäuse (Phanteks Evolv ATX TG) wurde von einer Montage in der Front abgesehen, da die Schläuche etwas zu kurz ausgefallen sind bzw. zu stark „auf Zug“ gewesen wären. Beim Einbau im Deckel empfiehlt Alphacool die Lüfter saugend (Pull) zu montieren, zwischen Radiator und Deckel. Im übernächsten Abschnitt wird dies mit einer blasenden Ausrichtung (Push), die Lüfter sind auf der Unterseite am Radiator befestigt und drücken die Luft durch den Radiator aus dem Gehäuse heraus, vergleichend eingegangen.

Testsystem und -methoden

  • Intel Core i7 2600k @4,4 GHz (1,32 V)
  • ASUS A8Z77 V Deluxe
  • Patroit DDR3-1866 RAM @1,5V
  • Gigabyte GeForce GTX 970 G1.Gaming
  • Corsair HX850
  • 2x 256GB Crucial M4 SSD
  • 1x 1TB Samsung 2.5“ HDD
  • Phanteks Evolv ATX TG
    • Gehäuselüfter: 2x Noiseblocker BlackSilent Pro Fan PK2 (140 mm, 1.200 U/min max)
    • Referenzlüfter 120 mm: Noiseblocker BlackSilent Pro Fan PL2 (1.400 U/min max)
    • Referenzlüfter 140 mm: Noiseblocker BlackSilent Pro Fan PK2 (1.200 U/min max)
  • Wärmeleitpaste: Prolimatech PK-3 Nano

Alle Tests werden im geschlossenen Gehäuse durchgeführt. Für die Auslastung wird das Tool Prime95 für 20 min Dauer verwendet. Dabei werden die Kerntemperaturen des Prozessors mittels CoreTemp 1.01 protokolliert. Als Testergebnis wird die Deltatemperatur aus dem arithmetischen Mittel der maximalen Kerntemperaturen und der Raumtemperatur in Kelvin (K) gewertet.
Die folgenden Testszenarien werden mit den Probanden durchgeführt:

Test 1: maximale Drehzahl der Serienlüfter (falls im Lieferumfang enthalten) – Gehäuselüfter @max. U/min
Test 2: Serienlüfter @1.000 U/min – Gehäuselüfter @1.000 U/min
Test 3: Referenzlüfter @1.200 U/min Gehäuselüfter @1.200 U/min
Test 4: Referenzlüfter @900 U/min Gehäuselüfter @900 U/min
Test 5: Referenzlüfter @750 U/min Gehäuselüfter @750 U/min
Test 6: Referenzlüfter @600 U/min Gehäuselüfter @600 U/min

Testergebnisse

Zum Vergleich wurde zusätzlich noch ein Alpenföhn K2, ein Dual-Tower-Kühler mit einem 120- und einem 140-mm-Lüfter getestet bzw. mit zwei 140-mm-Lüftern, um die Resultate gegenüber einen sehr guten Luftkühler einordnen zu können.

Mit der Serienlüfter-Bestückung und maximaler Drehzahl sind die Abstände zwischen den beiden Eisbaer-Wasserkühlungen weniger als zwei Kelvin. Gegenüber dem Luftkühler sind es immerhin vier Kelvin. Ab Test 3 bis 6 werden die Abstände merklich größer und die 50% größerer Radiatorfläche des Eisbaer 360 gegenüber dem Eisbaer 240 kommt zum Tragen. Im Silent-Bereich (Test 5 und 6) beträgt die Differenz zum K2 bis zu acht Kelvin.
Interessant ist, dass im Bereich unterhalb von 900 U/min der Alphenföhn K2 der Eisbaer 240 AiO-Wasserkühlung Paroli bieten kann und bessere Resultate (im Test 5 und Test 6) erreicht. Dies ist vor allem auf die größeren Referenzlüfter (140 mm gegenüber 120 mm) bei identischer Drehzahl zurückzuführen. Im Allgemeinen hat die Eisbaer 360 größere Leistungsreserven als die Konkurrenz – die Temperaturen steigen von Test 5 zu Test 6 geringer an – und ist somit bestens für sehr leise Systeme geeignet.

Abweichend von anderen AiO Wasserkühlungen hat das Verringern der Pumpenspannung nur einen marginalen Einfluss. Im schlechtesten Fall führt die heruntergeregelte Pumpe zu einem Temperaturanstieg von bis zu zwei Kelvin. Wie die Tests 5 und 6 bescheinigen, ist die Spannung der Pumpe in einem System mit langsam drehenden Lüftern zu vernachlässigen und sollte in diesen Szenarios mit 7 Volt betrieben werden.

Ob die Lüfter die Luft nun durch den Radiator drückend (Push) oder ziehend (Pull) montiert werden sollen, veranschaulicht das letzte Verlaufsdiagramm. Eine Push-Konfiguration ist beim Einbau im Deckel zu bevorzugen.

Fazit

Alphacool steigt mit der Eisbaer-Serie direkt in den AiO-Markt ein, der bis dato als OEM bedient wurde. Der Einstieg ist mehr als gelungen. Die beiden hervorzuhebenden Eigenschaften wie die leise Pumpe und die Erweiterbarkeit erweisen sich im Praxistest als sinnvoll und positiv. Auch der Einsatz von nicht proprietären Komponenten bzw. Anschlüsse ist vorteilhaft. Produkte von Mitbewerbern werden im Falle eines Defekts meist zu einem „Wegwerfprodukt“.
Insgesamt stimmt auch die Verarbeitung der Komplettwasserkühlung. Weniger gut gefielen die beigepackten Lüfter, die für leise Systeme ungeeignet sind. Die Montage der Pumpeneinheit geht weniger leicht als bei vergleichbaren High-End-Luftkühlern aus dem Hause Alpenföhn, Noctua oder Thermalright.
Während die Alphacool Eisbaer 240 sich nicht in allen Tests von einem konventionellen Luftkühler absetzen kann, reiht sich die Eisbaer 360 souverän vor der Konkurrenz ein. Besonders für ein sehr leises System mit Lüfterdrehzahlen unter 750 U/min ist sie sehr zu empfehlen. Vor allem ist dies durch eine Pumpe, die mit 7 Volt Betriebsspannung fast nicht mehr aus einem Gehäuse herauszuhören ist, möglich.
Unterm Strich ist die Eisbaer 360 ein gelungenes Gesamtpaket und auch im Hinblick auf die schnelle und einfache Erweiterbarkeit – sei es um einen weiteren Radiator oder einen Grafikkarten-Wasserkühler – der Konkurrenz im Vorteil.

 

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